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Selbstauskünfte von Schülern, Studierenden und Promovierenden

Ein Großteil der Forschung zum Plagiieren beruht auf Selbstauskünften der jeweiligen Zielgruppe – mittels Fragebögen oder in Interviews werden Einstellungen, Vorstellungen, Persönlichkeitsfaktoren, Erfahrungen und Handlungsweisen vornehmlich von Schülern und Studierenden erfragt.

Im internationalen Bereich ist die Forschungsarbeit von Donald McCabe ein gutes Beispiel für diese methodische Herangehensweise. McCabe hat über Jahre hinweg rund 250.000 Schüler in verschiedenen Ländern zu deren Umgang mit Texten via (Online)Fragebögen befragt und kann daher Aussagen auf einer breiten Datenbasis treffen. Seinen Ergebnissen folgend, betrügen rund die Hälfte der Collegestudenten bewusst beim Erstellen von Texten. Gleichzeitig stellt er einen Wertewandel fest – was als Betrug gesehen wird und was als gängige Arbeitsweise, das ändert sich. Beispielsweise wird ein „Copy&Paste“ aus dem Internet heutzutage seltener als Plagiieren gewertet als noch vor einigen Jahren.

Eine vielbeachtete Arbeit im deutschsprachigen Raum stammt von Sebastian Sattler (Sattler, 2007; einen zusammenfassenden Artikel bietet Sattler (2008). Unterschätztes Phänomen? Über den Umfang von und Umgang mit Plagiaten. In: Forschung & Lehre 5/08, S. 222-223, online abrufbar, der den deutschen Studierenden eine hohe Plagiatsbereitschaft attestiert – 9 von 10 Studierenden wären unter bestimmten Umständen (Zeitdruck, Anonymität, wenig Feedback und persönliche Betreuung) bereit zu plagiieren. Als Häufigkeit für das Vorkommen studentischer Plagiate werden in entsprechenden Studien Werte zwischen 25% und 60% angegeben (z.B. Greubel, 2009; Weber, 2009; McCabe, 2005; Szabo & Underwood, 2004).  Die Zahlen variieren, da zum einen das Aufdecken eines Plagiats oft schwierig ist (sicher bleibt vieles unentdeckt) und zum anderen unterschiedliche Kriterien angelegt werden, ab wann ein Plagiat vorliegt.

Forschung, die auf Selbstauskünften beruht, beinhaltet Probleme, welche die Qualität der Auskünfte beeinträchtigen können. So antworten Befragte oft sozial erwünscht, geben also eher eine allgemein verbreitete Einschätzung wieder, denn ihre eigene Meinung. Dennoch, um Faktoren für die bewusste Erstellung von Plagiaten zu identifizieren, sind Selbstauskünfte unverzichtbar.

Nicht fassbar über Selbstauskünfte sind die nicht intendierten Plagiatsformen, also die Fehler, die Schüler und Studierende nicht bewusst machen. Wer nicht weiß, dass er etwas falsch macht oder im Schreibprozess vergisst, kann dies natürlich auch nicht in einer Befragung angeben.

Hier wendet sich die Forschung direkt den Schreibprodukten von Schülern und Studierenden zu, es kommen textanalytische Methoden zum Einsatz.